Aktuelle Projekte

unionhilfswerk

UnionHilfswerk

Auch im Jahr 2020 arbeitet DEUTSCHLAND WIRD HEIMAT und das Unionhilfswerk Berlin mit der Zielsetzung zusammen, die sprachliche, kulturelle und berufliche Integration geflüchteter Mensch zu fördern.

Zur Verwirklichung der gemeinsamen Zielsetzung wird das Projekt „Integration durch Engagement“ der Stiftung Unionhilfswerk Berlin durch die Deutschland wird Heimat gGmbH ermöglicht. Gegenstand des Projektvorhabens ist die Förderung des Freiwilligen-Engagements geflüchteter Menschen mit dem Ziel, die alltagsbezogene Unterstützung geflüchteter Menschen unter dem Leitgedanken der Hilfe zur Selbsthilfe, um frühzeitig die Weichen für ein selbstverantwortliches Leben in Deutschland zu stellen. Geflüchtete Menschen werden an ein freiwilliges Engagement herangeführt, um sich selbstwirksam und in einer sinnerfüllten Tätigkeit zu erleben. Sie werden als Berater aktiv, vermitteln und begleiten andere Geflüchtete in ein Engagement und sind interkulturelle Brückenbauer und Engagementbotschafter.

XENION Image

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XENION

Die DwH fördert auch im Jahr 2020 das von XENION weitergeführte Projekt „Brücken für einen Neuanfang“, ein psychosoziales Versorgungsprojekt für traumatisierte Flüchtlingskinder und ihren Familien.

Die Pilotphase wurde zum 31. Oktober 2019 mit großem Erfolg abgeschlossen. So konnten 20 Multiproblemfamilien versorgt und begleitet werden. Insgesamt erreichte das Projekt 82 Familienmitglieder, welche entweder direkt oder indirekt von dem psychosozialen Versorgungsangebot profitierten.

Zielgruppe des Projektes „Brücken für einen Neuanfang“ sind vor allem psychisch belastete Kinder aus Multiproblemfamilien. XENION hilft den Geflüchteten, die generell in hoch belasteten Lebensverhältnissen leben. Dazu gehören große materielle Not, Entwurzelung, Vereinzelung, generelle Fremdheit, Verlust erworbener Kulturtechniken und sozialer Netze. Kommen zu diesen existenziellen Problemen noch weitere Probleme wie z.B. Erkrankung, Suchtprobleme, Gewaltprobleme eines Elternteils oder beider Eltern, und verfügt die Familie über kein Eigenpotenzial um diese Situation zu verändern oder Hilfe zu suchen und anzunehmen, dann spricht man von Multiproblemfamilien. Leitragend sind oftmals die Kinder. In solchen Verhältnissen werden ihre Grundbedürfnisse nach Schutz und Obhut vernachlässigt.

Ein psychosoziales Angebot für Multiproblemfamilien verlangt äußerst flexible Verfahrensabläufe, sowie komplexe und doch passgenau auf die spezifischen Bedürfnisse der Betroffenen angepasste Lösungen. Mit dem Projekt „Brücken für einen Neuanfang“ haben DEUTSCHLAND WIRD HEIMAT und XENION ein Angebot ins Leben gerufen, welches diese Bedingungen erfüllt und in der Pilotphase als geeignet erwiesen hat. Im I. Quartal 2020 half die Deutschland wird Heimat gGmbH -durch die Förderung des psychosozialen Versorgungsprojektes für traumatisierte Flüchtlingskinder und ihren Familien- durch Krisenintervention und soziale Beratung bei XENION fünf Multiproblemfamilien.

 

Fallbeispiele:

1. Familie J. kommst aus Syrien
und wird seit dem 05.01.2020 von XENION e.V. betreut. Der Vater wurde im Heimatland erschossen. Dies sei auch der ausschlaggebende Grund für die Flucht der minderjährigen Tochter gewesen. Diese wurde als unbegleitet minderjährige Geflüchtete in Berlin registriert und konnte ein paar Monate später bei XENION e.V. aufgenommen und psychosozial betreut werden. Mittlerweile ist sie volljährig und hat einen Aufenthaltsstatus erhalten. Dadurch konnten ihre Mutter und die jüngere Schwester nachgeholt werden. Die Trennung von Mutter und Tochter sei sehr belastend gewesen, immer wieder habe sie sich Sorgen gemacht, ob die Flucht der beiden gelinge, ob sie jemals ihre Mutter und Schwester wiedersehen würde. Mit der Hilfe von XENION e.V. konnte die Familie zusammen in einem Heim für besonders schutzbedürftige Geflüchtete untergebracht werden. Die Mutter sei sehr krank und habe zusätzlich starke psychische Probleme. Dies führt dazu, dass die ältere Tochter alles organsiert und sich um die Familie kümmert. Sie ist dabei sichtlich überfordert und belastet. Obwohl sie mittlerweile Deutsch B2 Niveau erreicht hat, sie ausgesprochen gerne in die Schule geht und sehr zielstrebig ist, wird sie durch die vielen Behördengänge und organisatorischen Aufgaben zunehmend gestresster, müder und verfällt immer regelmäßiger in einen Zustand von Resignation und Kraftlosigkeit. Über das Mentorenprogramm von XENION e.V. konnte ihr Anfang des Jahres eine ehrenamtliche Mentorin vermittelt werden, die die Familie seitdem bei der Orientierung im Hilfesystem, bei Ämter- und Behördengängen und Anträgen unterstützt. Außerdem unterstützt sie die Kinder bei Schulangelegenheiten und unternimmt Ausflüge mit der Familie. Weiterhin wird die Familie sozialarbeiterisch beraten und die älteste Tochter und die Mutter erhalten therapeutische „Brücken für einen Neuanfang“ gefördert durch Deutschland wird Heimat 2 Gespräche. Eine erste Entlastung und Stabilisierung konnte somit erfolgen. Eine Weiterbehandlung ist aber dringend notwendig.

2. Familie H. kommt aus Afghanistan
und besteht aus einem Ehepaar mit 3 Söhnen (13, 15, 17 Jahre). Da der Vater im Herkunftsland von den Taliban verfolgt und massiv bedroht wurde, entschied sich die Familie zur Flucht nach Europa. Mittlerweile lebt die Familie seit ca. 16 Monaten in Berlin. Im Fokus der Unterstützung bei XENION e.V. stand in den letzten Monaten eine intensive Elternberatung. Diese unterstützte überwiegend hinsichtlich der aktuellen Schwierigkeiten und Bedürfnisse des jüngsten Sohnes. Bei ihm bestand eine sich stetig steigernde Tendenz zur Schulverweigerung sowie eine depressive Symptomatik, welche sich aufgrund der multiplen Probleme (beengende Wohnverhältnisse, unsicherer Aufenthaltsstatus) und Konflikte der Familie (autoritäre Erziehung der Eltern, straffälliger Bruder) sowie erheblicher Lernschwierigkeiten anbahnte. Nachdem der Vater nach einem Suizidversuch aus der Psychiatrie entlassen worden war, fanden gemeinsame Gespräche statt, um die krisenhafte Zuspitzung noch einmal zu reflektieren. Es wurde deutlich, wie massiv der Konflikt zwischen dem Vater und seinen Kindern sich darstellte und wie groß das Unverständnis des Vaters gegenüber seinen Kindern war. Mit den Eltern wurde daraufhin intensiv daran gearbeitet, einen empathisch-validierenden Umgang mit den Söhnen zu entwickeln. Der Blick der Eltern war stark fokussiert auf das Negative, sodass Stärken und Ressourcen nicht mehr gesehen werden konnten. Die Eltern selbst berichteten immer wieder, unter erheblichem Druck zu stehen, die Kinder „müssen funktionieren“, da sie sonst als Eltern innerhalb ihrer Herkunftsfamilien und Community ihr Gesicht verlieren würden. Es konnten bereits erste kleinschrittige Veränderungen im Verhalten der Eltern gegenüber ihren Söhnen beobachtet werden. Insbesondere der Kindesvater gab an, an seinem rigiden und sehr autoritären Verhalten zu arbeiten und einen Schritt auf seine Söhne zu zugehen. Mit dem Sohn wurde geübt, Stimmungen und Gefühle bei sich selbst und bei anderen wahrzunehmen und in angemessener Art und Weise damit umzugehen sowie herauszufinden, wie man neue Freundschaften knüpfen und bei Konflikten Kompromisse zu finden kann. Ferner fand eine enge Zusammenarbeit mit Schule und Jugendamt statt. Der Aufbau von Freizeitaktivitäten (Ressourcenaktivierung) und die Einbindung eines Einzelfallhelfers, waren weitere wichtige Aspekte in unserem Beratungskontext. Zusätzlich wurden die Eltern durch die soziale Beratung bei XENION e.V. asyl- und aufenthaltsrechtlich beraten und unterstützt.

3. Familie G. aus Tschetschenien
besteht aus einer 31-jährigen Frau mit zwei Kleinkindern. Frau G. sei in der Heimat zwangsverheiratet worden und habe mit ihrem gewalttätigen Ehemann zwei Töchter (4 Jahre, 2 Jahre). Nach der Ankunft in Deutschland 2016 habe der Ehemann mehrere Männer und auch die Ehefrau mit einem Messer angegriffen und teilweise schwer verletzt. Daraufhin sei er zu einer Gefängnisstrafe in Deutschland verurteilt worden. Nach Verbüßung der Strafe sei der Ehemann zwar nach Russland abgeschoben worden, bedrohe allerdings weiterhin sowohl die Familie der Ehefrau in der Heimat als auch die Ehefrau in Deutschland mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Dank der Förderung durch Deutschland wird Heimat konnten die Mutter und die jüngste Tochter innerhalb kürzester Zeit bei XENION e.V. in die psychosoziale Betreuung, in die Gruppentherapie und in die psychotherapeutische Krisenintervention aufgenommen werden. Frau G. leidet unter einer „Brücken für einen Neuanfang“ gefördert durch Deutschland wird Heimat 3 ausgeprägten Belastungsstörung und einer ängstlich – depressiven Folgesymptomatik. Sie habe massive Angst vor einer Abschiebung in ihr Heimatland und auch ununterbrochen Angst um ihre Kinder und ihr eigenes Leben. Für die älteste Tochter konnte die Aufnahme in eine örtliche Kindertagesstätte erreicht werden, wo sie sich gut entwickelt und zu sprechen beginnt. Die Mutter erhält stabilisierende Einzelgespräche bei einer Psychotherapeutin. Zudem wurde sie gemeinsam mit ihrer jüngsten Tochter in eine Frauengruppe für tschetschenische Geflüchtete bei XENION e.V. aufgenommen. Letztere hilft der Klientin einerseits, ihre Erfahrungen als Frau in Tschetschenien zu reflektieren und andererseits, sich vor diesem Hintergrund in Deutschland zu integrieren. Alle genannten Interventionen finden unter Einbezug einer russisch sprachigen Dolmetscherin in wöchentlichem (Gruppe) bzw. 14tägigen (Einzel) Rhythmus statt. Der therapeutische Schwerpunkt liegt auf der Stärkung und Stabilisierung der Mutter und ihrer Kinder. Perspektivisch geht es darum, die alleinstehende Mutter in ihrem Wunsch, sich in Deutschland zu integrieren zu unterstützen. In der sozialen Beratung unterstützen wir den Antrag zur Erteilung des eigenständigen Aufenthaltsrechts für Frau G. und ihre Töchter.

4. Familie M. kommt aus Afghanistan
und wird seit Januar 2020 von XENION e.V. psychosozial versorgt. 2018 sei die Familie aus dem Iran über die Türkei und Griechenland nach Deutschland geflohen. An der Grenze zur Türkei sei Frau M. von Schleppern vergewaltigt worden. Sie weiß nicht, wer innerhalb der Familie erahne, was ihr damals angetan wurde. Bei der Überquerung der Ägäis von der Türkei (ein Ort nahe Izmir) auf dem Weg zu einer griechischen Insel sei ihr Boot fast gekentert. Die Überfahrt sei sehr lange und schrecklich gewesen, weil das Meer in der Fluchtnacht sehr rauh gewesen sei und eine starke Meeresströmung das Boot vom eigentlichen Kurs abgebracht habe. Ein Jahr habe die Familie auf Lesbos in dem Hotspot Moria gelebt. Bei einem Großbrand in diesem Lager wäre beinahe ihr Zelt abgebrannt. Sie hätten dieses Ereignis nur knapp überlebt. Im April 2018 wurde die Tochter im Lager zu sexuellen Handlungen gezwungen. Über die Folgeschäden liegt ein Attest eines griechischen Krankenhauses vor. Der Vater, der dies mitbekommen habe, habe versucht, sich daraufhin das Leben zu nehmen, überlebte aber den Suizidversuch. Die Familie habe subsidiären Schutz in Griechenland bekommen. Sie sei trotzdem nach Deutschland weitergeflohen, weil sie auf dem Festland faktisch auf der Straße gelebt hätten und es in dieser Zeit immer wieder zu rassistischen Übergriffen gekommen sei. Aufgrund ihres Aufenthaltsstatus in Berlin sind der Familie die Sozialleistungen erheblich eingeschränkt worden. Die Arbeit, die Frau M. aufgenommen hatte wurde ihr von der Ausländerbehörde verboten. Eine therapeutische Behandlung im Regelgesundheitssystem kann nicht begonnen werden, weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den Antrag auf Schutz als unzulässig bewertet und Deutschland sich nicht zuständig für die Familie erklärt habe. Xenion e.V. begleitet die Familie in asyl- aufenthaltsrechtlichen Fragen sowie durch psychotherapeutische Behandlung. Es besteht eine Zusammenarbeit mit dem gemeindepsychiatrischen Dienst und der Rechtsanwältin. Die Tochter konnte bereits im St. Joseph Krankenhaus zur psychotherapeutischen Behandlung aufgenommen werden.

5. Familie K. aus dem Iran
besteht aus einem Ehepaar mit zwei Kindern (2 Jahre, 6 Jahre). Die Familie lebte im Iran und kommt ursprünglich aus Afghanistan. Bereits im Iran litt Frau K. unter ihrem gewalttätigen und dominanten Ehemann. Dieser misshandelte sie und ihren Sohn regelmäßig. Gegen ihren Willen entschied er die Flucht aus dem Iran und drohte Frau K. damit, das Land mit den Kindern zu „Brücken für einen Neuanfang“ gefördert durch Deutschland wird Heimat 4 verlassen, falls sie sich weigere mitzukommen. Frau K. studierte in Teheran und hatte dort Unterstützung durch ihre Eltern. Die Familie lebte nach der Flucht ein Jahr illegal in Athen, da der Vater eine Registrierung ablehnte. Im November 2019 flüchtet die Mutter nach Deutschland und konnte auf Grund eines Unfalls nur die jüngere Tochter mitnehmen. Der Vater lebt seitdem weiterhin illegal mit dem Sohn in Griechenland, teilweise auf der Straße. Seitdem setzt der Vater seine Frau massiv unter Druck, dass sie beide nach Deutschland holen solle. Er verweigert ihr immer wieder den Kontakt zu ihrem Sohn, schlägt ihn und bedroht sie. Der Sohn leide mittlerweile unter Alpträumen und starken Ängsten, nässe ein und weine sehr viel. Frau K. macht sich sehr große Sorgen um ihren Sohn, leidet unter Schuldgefühlen und Ängsten und ist teilweise durch ihre Verzweiflung wie gelähmt. Durch ihre starke psychische Belastung ist auch die Tochter beeinflusst und zeigt mittlerweile Auffälligkeiten in ihrem Verhalten. Frau K. erhielt im Januar 2020 erste therapeutische Gespräche zur Stabilisierung und Krisenintervention. Des Weiteren wurde sie durch die soziale Beratung auf ihre Asylanhörung vorbereitet und sie wurde zu verschiedenen Terminen begleitet. Durch ihre besondere Schutzbedürftigkeit konnte sie in einem Heim für Geflüchtete mit besonders hohem Bedarf untergebracht werden. Mittlerweile konnte ein Umzug in eine Mutter-Kind Einrichtung organsiert werden. Hier erhält Frau K. intensivere Begleitung und Unterstützung im Alltag und im Umgang mit ihrer Tochter. Frau K. nimmt weiterhin die therapeutischen Gespräche bei XENION e.V. in Anspruch und wird bei ihrem Wunsch nach Familienzusammenführung begleitet und beraten.

arabalmanya

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Arabalmanya

fördert und hilft als gemeinnützige Vereinigung politisch, rassisch oder religiös Verfolgte, Flüchtlinge und Vertriebene.
Sie unterstützt Flüchtlinge insbesondere bei der Integration in die deutsche Gesellschaft, Kultur und Arbeitswelt.

Seit April 2017 besteht eine Zusammenarbeit von Deutschland wird Heimat mit Arabalmanya für die Seminarreihe „Deutschland – wie funktioniert das“.

In dem 2-tägigen Seminar, unter Leitung der Dozenten Herr Dr. jur. Martin Bartels und Herr Talal Mando aus Syrien, werden den neu angekommenen Berlinern praktische Lebensfragen und unsere demokratischen gesellschaftlichen Werte wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Gleichberechtigung vermittelt. Das Seminar findet alle zwei bis drei Wochen, meist in der Konferenzetage unseres Partners Mazars GmbH & Co.KG am Hauptbahnhof, mit Blick auf Reichstag und Bundeskanzleramt, statt.